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Die Gründung und die Anfänge

Die Gründung der Kolpingfamilie Haarbrück fiel in die Zeit des gesellschaftlichen Neuaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Menschen suchten damals neue Wertgemeinschaften und geistige Heimat. In Haarbrück gab es nach der Auflösung des 1912 gegründeten Jünglingsvereins keine religiös geprägte Männergemeinschaft mehr, der man sich anschließen konnte.

Auch die Arbeitsverhältnisse hatten sich grundlegend verändert. Während man vor dem Krieg oft als wandernder Geselle in die Fremde ziehen musste, fand man nun in der näheren Umgebung ausreichend Arbeit.

1930 Gesellen auf Wanderschaft
1930 – Rechts sitzt Josef Koch, die anderen beiden Gesellen sind nicht bekannt

Einige Haarbrücker Handwerker – Heinrich Becker, Bernhard Pollmann, Alois Bartollest, Alois Sievers und Josef Koch – waren vor dem Krieg auf Wanderschaft gewesen und hatten in dieser Zeit das Kolpingwerk kennengelernt. Sie berichteten begeistert von den geselligen Abenden, vom gemeinschaftlichen Singen und Erzählen und von der Lebensfreude, die sie dort erfahren hatten. Ihre Erzählungen fanden rasch Anklang – sowohl bei den jungen Männern des Dorfes als auch bei Pfarrer Spiering, der die Idee Kolpings unterstützte.

So kam es am 10. Oktober 1948 zur Gründungsversammlung der Kolpingfamilie Haarbrück. Eine Woche später trugen sich bei einer zweiten Versammlung 25 überwiegend junge Männer in die Mitgliederliste ein. Diese wurde kurz darauf von der Zentrale in Köln bestätigt, die den 10. Oktober 1948 als offizielles Gründungsdatum festlegte.

Zum ersten Senior wurde Paul Beine gewählt, der das Kolpingwerk bereits aus Beverungen kannte. Unterstützt wurde er von Heinrich Becker als Altsenior. Schon bald wurde in Köln ein Banner für 57,00 DM bestellt, das bei besonderen Anlässen stolz getragen wurde.

Original Niederschrift Kolpings-Gründungsversammlung 1948
Hier die Original-Niederschrift der Gründungsversammlung 1948

Leben in der Gemeinschaft

Im Mittelpunkt der Gemeinschaftsarbeit standen zunächst die geselligen Abende mit Singen und Erzählen, die während der Wintermonate alle 14 Tage stattfanden. Schon bald kamen Theateraufführungen im Saal der Gastwirtschaft Hartmann hinzu, und auch Tanzabende wurden organisiert.

Die Einnahmen aus diesen Veranstaltungen dienten einem guten Zweck: Sie wurden zur Ausstattung des Versammlungsraums im Sophienstift verwendet. Ein besonderer Höhepunkt eines jeden Jahres war der Kolpinggedenktag, der im Dezember im Sophienstift gefeiert wurde und fest zur Tradition der Kolpingfamilie gehörte. Hier erkennt man die Gemütlichkeit.

1958 Geselliger Abend im Stift
Hinterste Reihe v.l.n.r.: Mit der Bierflasche ist leider nicht zu erkennen, Willi Stromberg, Meinholf Bendick, Bernhard Hartmann(Buhmanns), Rudolf Hartmann, Willi Scheideler, Mittlere Reihe v.l.n.r.: Karl Stromberg, Willi Otto(Beulen), Andreas Hartmann(Klappen Andres), Josef Vieth, Josef Koch, Bernhard Hartmann(Frölekens) Edmund Hanewinkel, Johannes Vössing(Müllers), Karl Pollmann, Johannes Scheideler(Hansi), Vordere Reihe v.l.n.r.: Josef Otto(Beulen Schneider), Aloys Bartolles, Lehrer Anders, Meinrad Watermeyer, Heinz Stromberg, Johannes Vössing,

 

 

Zum Leben in Gemeinschaft gehören auch Ausflüge wie der dokumentierte Ausflug von 1955 zum Hermanns-Denkmal Nähe Detmold.


Bildungsarbeit und geistige Impulse

Mit dem Einzug der neuen Medien wurden die geselligen Abende seltener. Doch das Interesse an Weiterbildung und politischer Bildung blieb bestehen.

Ab 1979 brachte Hermann Hartmann im Rahmen des Bildungsprogramms des Diözesanverbandes die Ortsgeschichte von Haarbrück durch heimatgeschichtliche Vorträge wieder stärker ins Bewusstsein. Auch heute noch finden regelmäßig Veranstaltungen im Sinne des Kolping-Bildungsprogramms statt. Dabei hat sich die Form gewandelt: Statt reiner Vorträge stehen nun Informationsveranstaltungen, Demonstrationen und Betriebsbesichtigungen im Mittelpunkt.


Kirchliches und soziales Engagement

Die Mitarbeit im kirchlichen Leben ist für die Kolpingfamilie Haarbrück seit jeher selbstverständlich. Mit dem 1980 angeschafften Kolpingbanner beteiligt sich die Gemeinschaft an kirchlichen Festen, Prozessionen und anderen religiösen Veranstaltungen.

Als Mitglied des weltweiten Kolpingwerkes unterstützt die Kolpingfamilie Haarbrück zudem Hilfsaktionen und soziale Projekte. Über 30 Jahre lang beteiligte sie sich aktiv an der bekannten „Aktion Rumpelkammer“, bei der Altkleider gesammelt wurden. Diese Sammlung wird heute aus wirtschaftlichen Gründen in anderer Form weitergeführt.


Geselligkeit und Gemeinschaftsgeist

Die von Anfang an betonte Geselligkeit bildet auch heute noch einen Schwerpunkt des Vereinslebens. Wanderungen, Ausflüge und gemeinsame Feiern fördern das Miteinander und den Zusammenhalt.

Als besonderes „Markenzeichen“ der Kolpingfamilie hat sich der Karneval in Haarbrück etabliert. Der Sonntagsumzug lockt zahlreiche Besucher von auswärts an, und bei der Familienveranstaltung in der Bürgerhalle herrscht jedes Jahr eine fröhliche und ausgelassene Stimmung.

Karneval in den 1950er Jahren

Mit der Entwicklung von der reinen Gesellengemeinschaft zur offenen Kolpingfamilie wurde auch der Zugang für Frauen und Jugendliche erleichtert. Heute können Frauen ebenso Führungsaufgaben übernehmen – ein sichtbares Zeichen hierfür war die Wahl von Inge Köster, die im Mai 2000 als erste Vorsitzende die Leitung der Kolpingfamilie Haarbrück übernahm.


Prägende Persönlichkeiten

Von Beginn an war die Kolpingfamilie Haarbrück in hohem Maße vom Idealismus einzelner Persönlichkeiten getragen.

Ein besonderer Förderer war Pfarrer Franz Grawe, der dem Verein über 32 Jahre lang mit Rat und Tat zur Seite stand. Als er im Februar 1952 aus Salzkotten nach Haarbrück kam, brachte er zahlreiche Impulse aus seiner früheren Kolpingarbeit mit. Bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1984 war er der „gute Geist“ der Kolpingfamilie und prägte das Vereinsleben nachhaltig.

Vordere Reihe: Links Edmund Böger Mitte Karl Hartmann Rechts Johannes Vössing

Auch drei weitere Männer haben das Bestehen und die Entwicklung der Kolpingfamilie entscheidend mitgestaltet:

  • Johannes Vössing stand der Kolpingfamilie über 42 Jahre (1951–1994) als 1. Vorsitzender vor. Er übernahm das Amt von Paul Beine und übergab es 1994 an Heinz Watermeyer.

  • Edmund Böger verwaltete über 30 Jahre lang die Finanzen und engagierte sich als geschickter Organisator vieler Veranstaltungen.

  • Karl Hartmann war über 40 Jahre als 2. Vorsitzender im Vorstand tätig und kümmerte sich mit großem Pflichtbewusstsein um die vielen kleinen, aber wichtigen Dinge des Alltags.


Fazit

Die Geschichte der Kolpingfamilie Haarbrück ist geprägt von Glauben, Gemeinschaft und Engagement. Seit ihrer Gründung im Jahr 1948 hat sie sich stetig weiterentwickelt und den gesellschaftlichen Veränderungen angepasst – ohne ihre Wurzeln und Werte zu verlieren.

Bis heute steht die Kolpingfamilie Haarbrück für Zusammenhalt, gelebten Glauben und aktive Mitgestaltung im kirchlichen wie im gesellschaftlichen Leben des Dorfes.

 

 

 

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